Blog von Carsten Schöne

E-Kita-System: Landeshauptstadt Dresden zieht die Notbremse

© pixabay.deDie Einführung eines zentralen elektronischen Anmeldesystems für Kindertagesbetreuung in Dresden gestaltet sich auch weiterhin schwierig. Das ursprünglich gewünschte Anmeldesystem sollte sowohl Eltern wie auch Kindertagesstätten und die Stadtverwaltung entlasten. Von einem solchen System versprach man sich einerseits die Vereinfachung des Anmeldeverfahrens und wollte andererseits Mehrfachanmeldungen von Familien in unterschiedlichen Einrichtungen vermeiden. Diese Mehrfachanmeldungen waren in der Vergangenheit zur Sicherung des Zugangs zu einer Kita üblich, verfälschten gleichzeitig aber auch die tatsächlich Bedarfslage, da ein übergreifender Datenabgleich nicht möglich war.

Doch die Landeshauptstadt wollte mit einer Klappe mehrere Fliegen treffen und erweiterte die Erstellung des Anmelde- und Vermittlungssystems um ein umfangreiches Verwaltungsprogramm, das dem Eigenbetrieb eine zentrale Bearbeitung aller Belange der Kindertagesbetreuung ermöglichen sollte. Hierzu gehören neben der Stammdatenpflege, Vertrags- und Gebührenbescheidsmanagement auch Tools zur Bedarfs- und Auslastungsermittlung. Der Wunsch nach einem solchen Verwaltungsprogramm zog die Entwicklung eines nahezu komplett neuen Systems nach sich, was letztlich die Nutzung am Markt erhältlicher Anwendungen unmöglich machte. Berechtigte Datenschutzbedenken, die bis heute nicht ausgeräumt sind erschwerten den Entwicklungsprozess zusätzlich, diesem Bereich hatte man wohl nicht ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt.

Im Sommer 2013 zeichnete sich ab, dass die beauftragte Firma das bestellte Komplettpaket nicht im vorgegebenen Zeitrahmen schaffen wird, das Gesamtvorhaben drohte zu scheitern. Sozialbürgermeister Martin Seidel verkündete alsbald die Inbetriebnahme des so genannten Elternportals zum 01.09.2013. Über dieses Portal kann man nunmehr Anmeldungen für bis zu fünf Wunscheinrichtungen abgegeben, die dann in der gewählten Reihenfolge abgefragt werden. Vorgesehen war hier als weiteres Element des Gesamtsystems ein „Kita-Portal“, in dem die Kindertageseinrichtungen die Anmeldungen der Eltern einsehen und bearbeiten sollten. Doch dieses Kita-Portal steht bis heute nicht zur Verfügung, so dass der Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen Dresden (EB Kita) die über das Elternportal eingegangenen Anmeldungen manuell in einrichtungsbezogene Listen überträgt und diese dann per E-Mail an die Kitas schickt. Ein Verfahren, das dem händischen Abschreiben von Bildschirminhalten gleichen mag und das eine Vielzahl an Fehlerrisiken birgt. So haben sich in den letzten Wochen Eltern und Kitas beklagt, dass Anmeldungen für bestimmte Kitas nicht in diesen Einrichtungen gelandet sind, was dem Vertrauen in das städtische Anmeldesystem sowohl bei Eltern wie auch bei freien Trägern der Jugendhilfe erheblich geschadet hat.

In der gestrigen Jugendhilfeausschusssitzung (16.01.2014) verkündete die Leiterin des EB Kita, Sabine Bibas, dass die Stadtverwaltung derzeit mit der beauftragten Firma über die Auflösung des Vertrages verhandelt. Nach mir vorliegenden Informationen soll die Firma nun nur noch die Lauffähigkeit von Eltern- und Kita-Portal sicherstellen, der Auftrag für das Verwaltungsprogramm wird entzogen. Mit dieser Entscheidung versucht die Stadt ein drohendes Fiasko zu vermeiden. Ob und in welcher Weise das für den EB Kita notwendige Verwaltungsprogramm noch erstellt wird, lies Bibas gestern offen.

Bleibt zu hoffen, dass es nunmehr gelingt ein funktionierendes Anmelde- und Vermittlungssystem zur Verfügung zu stellen und vor allem das Vertrauen von Eltern und Trägern zurück zu gewinnen. Gleichzeitig sollte die Stadt auch alle Möglichkeiten ausschöpfen, den entstandenen Schaden durch personellen und finanziellen Mehraufwand im EB Kita und bei freien Trägern durch die Verursacher ausgleichen zu lassen. In der nächsten Jugendhilfeausschusssitzung am 06.02.2014 will die Stadt ihre Pläne zum weiteren Vorgehen vorstellen.

Carsten Schöne
Mitglied des Dresdner Jugendhilfeausschusses

Siehe auch Veröffentlichung zum Thema in der “Sächsischen Zeitung” vom 16.02.2014

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