Blog von Carsten Schöne

Online-Befragung

07.11.2019: Der Jugendhilfeausschuss befasst sich mit dem „Regionalen Gesamtkonzept für die Schulsozialarbeit“

Rathaus Dresden

In erster Lesung wurde durch die Verwaltung des Jugendamtes die Vorlage zur Fortschreibung des „Regionalen Gesamtkonzeptes für die Schulsozialarbeit“ eingebracht. Die Fortschreibung war bei Verabschiedung des Konzeptes im Mai 2017 beauftragt worden und soll Anpassungen in der fachlich-inhaltlichen Orientierung sowie in der Verfahren zur Auswahl von Schulstandorten sowie der Träger der Angebote ermöglichen.

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20.10.2016: JHA empfiehlt Änderungen bei der Neustrukturierung des Kita-Eigenbetriebes

Rathaus Dresden

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Im Rahmen der Debatte zum Haushaltsplanentwurf für die kommenden beiden Jahre bekräftigte Tilo Kießling im Namen der Stadtratskooperation von SPD, Grünen und Linken die Absicht, für eine ausreichende Ausstattung des Budgets zur Förderung freier Träger in der Kinder- und Jugendarbeit zu sorgen. Weitere Ausschussmitglieder stellten einen entsprechenden Änderungsantrag für die nächste und abschließende Beratung des Haushaltes des Jugendhilfeausschuss am 10.11.2016 in Aussicht. Hintergrund ist eine deutliche Absenkung des Betrages um rund 3 Millionen Euro pro Jahr gegenüber der aktuellen Haushaltsperiode. Dies gefährdet aktuell etwa 60 bis 70 Personalstellen bei freien Trägern. Weiterlesen

Jugend-Online-Befragung in Sachsen

Eine Befragung, die Fragen hinterlässt…

Gegenwärtig führt die Empirica AG im Rahmen der Erstellung des Jugendberichtes eine Onlinebefragung durch, die sich einerseits an junge Menschen und andererseits an Fachkräfte in der Jugendarbeit richtet.

Für eine wissenschaftliche Untersuchung der Lebenslagen junger Menschen sind Befragungen ohne Zweifel ein probates Mittel. Allerdings sollten die Befragungen auch so gestaltet sein, dass die Anonymität der Befragten sichergestellt ist. Diese Anforderung erfüllen beide Fragebögen nicht, da mehrere Antwortoptionen konkrete Hinweise auf Personen, Einrichtungen und Vereine liefern. Insbesondere im ländlichen Raum mit eher geringer Dichte an Jugendfreizeitangeboten dürfte die Abfrage von Wohnort und ggf. genutzter Jugendeinrichtungen eindeutige Hinweise liefern. Dies setzt sich später fort, wenn Jugendliche nach ihrem politischen Interesse und Engagement bzw. nach der Zugehörigkeit zu bestimmten Szenen gefragt werden. Befragungen sollten ferner so gestaltet sein, dass sowohl die Fragestellung wie auch die vorgegebenen Antwortoptionen wertneutral formuliert sind. Dieser Grundsatz wird durch Empirica in den Fragebögen mehrfach verletzt.

Auch hinsichtlich der Auswertbarkeit bzw. der Interpretation erhobener Daten eröffnen sich so manche Fragen. Neben der Tatsache, dass in den Fragebögen auch nicht alle zur Jugendarbeit zugehörigen Arbeitsfelder abgebildet werden, ist das fachliche Niveau der Fragestellungen als mangelhaft zu beurteilen. So erkundigt man sich nach den Gründen, warum ein/e Jugendliche/r keinen Jugendtreff besucht. Eine der Antwortoptionen lautet: “Im Jugendclub / Jugendzentrum gibt es Ansprechpersonen, die mir unsympathisch sind”. Welche Empfehlung will der Landtag in Auswertung des Berichtes an die Jugendhilfe richten, wenn diese Antwortoption mit einer größeren Häufigkeit gewählt wird? Den Fachkräftestandard um das Merkmal “sympathische Ausstrahlung” ergänzen?

Insgesamt lassen die Fragestellungen eine gewisse Verwandtschaft zur im Herbst im Auftrag der sächsischen Staatsregierung durchgeführten Studie „Lebensziele junger Menschen in Sachsen“ erkennen, die nicht wirklich nach den Lebenslagen junger Menschen im Freistaat fragte, sondern eher nach einer Bestätigung der liberal-konservativen Regierungsarbeit suchte. Vergleichbare Fragestellungen finden sich auch in der aktuellen Befragung, so dass der Grundsatz der Wertneutralität einer solchen Befragung als verletzt zu betrachten ist. Dies wird u. a. in einer Fragestellung an die Fachkräfte deutlich, die sich danach erkundigt, wie die Jugendarbeit in Sachsen auch ohne zusätzliches Personal und Geld weiterentwickeln könnte. Dahinter lässt sich durchaus die seit Jahren zu beobachtende „Deprofessionalisierungstendenz“ vermuten, die durch den Einsatz Ehrenamtlicher professionelle Angebote ablösen soll. Im Zusammenhang mit der Abfrage sozialdemografischer Daten und (jugend)politischer Einstellungen der Fachkräfte lassen sich dann konkrete Bezüge zu den Einrichtungen und Trägern im Freistaat herstellen. Die zugesicherte Einhaltung der Datenschutzbedingungen erscheint vor diesem Hintergrund eher als Floskel, denn als vertrauensbildendes Versprechen. Dies wird nicht zuletzt für ablehnende Haltungen zur Mitwirkung an der Befragung führen, was letztlich verhindert, tatsächlich für einen repräsentativen Blick auf die Lage der Jugendhilfe in Sachsen zu sorgen.

Julia Kemper von Empirica erklärte auf Anfrage unserer Redaktion, dass die Staatsregierung für die Fragebögen keinerlei Vorgaben erlassen hatte, die Befragungen allerdings mit dem Sozialministerium und dem Begleitbeirat abgestimmt wurden. Kemper erläuterte ferner, dass die Ergebnisse aus den Befragungen direkt in den Jugendbericht einfließen sollen, der seinerseits „Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung der Jugendhilfe in Sachsen“ liefern soll.

Empirica versucht Jugendliche mit der Verlosung nicht näher beschriebener „Workshops“ für eine Teilnahme zu gewinnen. Hierfür müssen wiederum persönliche Daten eingegeben werden, womit –mit Blick auf die technischen Möglichkeiten eines Online-Fragebogens – weitere Rückschlüsse auf die teilnehmenden Personen möglich wären. Unabhängig davon, dass ein nicht mal ansatzweise erläuterter „Workshop“ Jugendliche nicht unbedingt zur Mitwirkung motiviert,  würde eine kontinuierliche und allerorten gelebte Beteiligungskultur in Sachsen derartige Motivationsgeschenke überflüssig machen.

Die Fragebögen finden sich unter: www.jugendbefragung-sachsen.de bzw. www.jugendbefragung-sachsen.de/mitarbeiter.

Carsten Schöne

Veröffentlicht in CORAX – Magazin für Kinder- und Jugendarbeit in Sachsen  6-2012

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