Blog von Carsten Schöne

Sachsen

07.03.2019: Deutliche Kritik an Vorlage zur Förderung der Kinder- und Jugendarbeit

by pixabay.comIn erster Lesung wurde gestern die Beschlussvorlage zur Förderung der freien Träger der Jugendhilfe beraten. Während die Verwaltung das zur Verfügung stehende Budget von knapp 44 Millionen Euro für den aktuellen Doppelhaushalt würdigte, kritisierten Ausschussmitglieder die Planung der Verwaltung, die für eine Bestandssicherung nicht ausreichend ist.

 

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30.11.2017: JHA sichert die Förderung von Schulsozialarbeit ab Januar 2018 und beschließt zur Jugendhilfeplanung

Eingangs der gestrigen Sitzung wurde Anke Lietzmann von den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses mit herzlichen Dankesworten für ihr Engagement verabschiedet. Sie gehörte dem Gremium insgesamt reichlich 14 Jahre an und beendet ihre Tätigkeit auf eigenen Wunsch. Wie Jugendamtsleiter Claus Lippmann ausführte, waren Anke Lietzmann insbesondere die Themen Beteiligung und Jugendhilfeplanung sehr wichtig, für die sie sich stets mit Nachdruck und Hartnäckigkeit engagierte. Anke Lietzmann forderte die Ausschussmitglieder auf, genau an diesen Themen und der Arbeit der Arbeitsgemeinschaften konsequent dranzubleiben. Weiterlesen

24.08.2017: Jugendhilfeausschuss beschließt 18 neue Angebote der Schulsozialarbeit

Grundschule Dresden-Briesnitz

Grundschule Dresden-Briesnitz

Nach dem gestrigen Beschluss des Jugendhilfeausschusses können ab 1. September 2017 an 18 Dresdner Schulen Angebote der Schulsozialarbeit eingerichtet werden. Hierfür werden 22,5 Stellen über die Landesrichtlinie Schulsozialarbeit zur Verfügung stehen. In Anwendung des vom Ausschuss im Frühjahr beschlossenen Verfahrens zur Auswahl der Schulstandorte werden alle Schulformen bedacht und hinsichtlich der Personalausstattung die Besonderheiten der Schulstandorte berücksichtigt. Das Verfahren zur Trägerauswahl erwies sich im ersten Durchlauf als geeignet, nach weitgehend objektiven Kriterien den jeweils geeigneten Träger auszuwählen. Insgesamt hatten sich 14 Träger am Interessenbekundungsverfahren beteiligt. Weiterlesen

24.03.2016: JHA gewährt zusätzliche Förderung für die Arbeit mit jungen Flüchtlingen

Der Jugendhilfeausschuss beschloss gestern die Fortführung einer Personalkostenförderung im Jugendtreff „Spike“ des Altstrehlen 1 e. V., der damit die Arbeit mit jungen Geflüchteten fortsetzen kann. Weiterlesen

CDU und SPD stellen Koalitionsvertrag für Sachsen vor

Am Vormittag haben Stanislaw Tillich (CDU) und Martin Dulig (SPD) den zwischen beiden Parteien ausgehandelten Koalitionsvertrag vorgestellt. Unter dem Titel “Sachsens Zukunft gestalten” legt die designierte neue Regierungskoalition ein Programm vor, das nach den Worten Tillichs im Interesse der sächsischen Bevölkerung vom “Mut zur Veränderung” geprägt ist. So sind zahlreiche sozial- und bildungspolitische Maßnahmen sowie eine veränderte Wirtschaftsförderung erkennbare Bestandteile des Vertrages. Wie Tillich hervorhob, stehen die Familien im Mittelpunkt der Programmatik, die in Sachsen “eine gute Heimat” finden sollen.

 

Nachfolgend sollen als Überblick einige Elemente exemplarisch herausgestellt werden:

Beide Parteien versprachen im Wahlkampf eine deutliche Verbesserung der Betreuungsqualität in Sachsen Kindertageseinrichtungen. Mit einer schrittweisen Anpassung des so genannten Betreuungsschlüssels in der Kindergärten auf perspektivisch 1:12 und in Kinderkrippen auf 1:5 soll dem Bedarf an einer qualitativ verbesserten Kindertagesbetreuung Rechnung getragen werden. Die Anpassung erfolgt in folgenden Schritten:

  • Kindergarten: ab 01.09.2015 1:12,5 / ab 01.09.2016 1:12
  • Kinderkrippe: ab 01.09.2017 1:5,5 / ab 01.09.2018 1:5

Hierzu ergänzte Dulig, dass der Freistaat hierfür auch die finanzielle Verantwortung übernehmen wird, das heißt, der Freistaat übernimmt die entstehenden Mehrkosten.

 

Die so genannte Jugendpauschale wird ebenfalls angehoben, sie steigt von derzeit 10,40 Euro ab 2015 auf 12,40 Euro. Hierbei handelt es sich um eine Pro-Kopf-Pauschale bezogen auf die Kinder und Jugendlichen. Die Jugendpauschale ist eine Pro-Kopf-Zuweisung des Freistaates an die Kommunen, denen somit eine höhere Zuwendung für die Finanzierung der offenen Kinder-, Jugend- und Familienarbeit sowie der Jugendverbandsarbeit und der Jugendbildung erhalten. Auch an der Fördersystematik soll sich etwas ändern, wie nachfolgender Passage aus dem vertrag zu entnehmen ist:  “Im Bereich des Sozialministeriums werden wir bis Ende 2016 die bestehenden Förderrichtlinien überprüfen und gegebenenfalls überarbeiten. Ziel ist es, den Anteil der jährlichen Projektförderung zu senken und mehrjährige Förderungen als Regelförderung zu etablieren. Wir werden prüfen, inwieweit der für eine Förderung notwendige Eigenanteil der Träger verringert werden kann. Wir werden darauf hinwirken, dass eine Förderung ohne zeitlich bedingte Finanzierungslücken aufgrund von Jahresübergängen sichergestellt wird und sich die Arbeitsbedingungen in der Sozialen Arbeit weiter verbessern.”

 

Im Bereich der Bildung ist ein deutlicher Schwerpunkt auf die Qualifizierung der Hochschullandschaft in Sachsen erkennbar. So sollen die Pläne zum Abbau von mehr als 750 Stellen in sächsischen Hochschulen umgehend gestoppt werden und gleichzeitig eine Reduzierung der Anzahl der Studierenden an sächsischen Hochschulen von derzeit 106.000 auf dann 95.000 Studierende erfolgen. Hiervon verspicht man sich eine Verbesserung der Studier- und Betreuungsqualität.

In den allgemeinbildenden Schulen sollen künftig alle ausscheidenden Lehrkräfte ersetzt werden, der Koalitionsvertrag sieht die Einstellung von 6.100 neuen Lehrkräften bis 2019 vor. Schülerinnen, Schüler und Auszubildende sollen künftig ein so genanntes “Bildungsticket” erhalten, das kostengünstig und sachsenweit gültig sein soll. Hierzu will die künftige Regierung bis Ende 2015 eine Vereinbarung mit den Landkreisen und kreisfreien Städten verhandeln.

 

Dem ansteigenden Drogenkonsum insbesondere der Droge “Crystal Meth” will die Koalition einerseits auch weiterhin ordnungsrechtlich begegnen, andererseits sollen auch Beratungs- und Präventionsprojekte personell besser ausgestattet werden.

 

Den neuen Herausforderungen im Bereich der Aufnahme von Flüchtlingen und Asylbewerbern will sich die Koalition einerseits mit einer verbesserten Willkommenskultur und einer Aufwertung des bisherigen Ausländerbeauftragten zu einem “Migrations- und Integrationsbeauftragten” sowie durch die Bereitstellung von Investitionsmitteln stellen. Eine besondere Unterstützung sollen hier Migrantenselbsthilfeorganisationen sowie die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements erfahren. Der Freistaat will sich beim Bund für eine erhöhte Betreuungspauschale für die Flüchtlinge und Asylbewerber engagieren. Das Programm “Weltoffenes Sachsen” soll im Sinne der Ausgestaltung einer demokratischen Zivilgesellschaft weiterentwickelt und finanziell besser ausgestattet werden.

 

Im Bereich der Wirtschaft sollen Maßnahmen zur Absicherung des Fachkräftebedarfes entwickelt werden, die insbesondere durch entsprechende Bildungsangebote sowie die Integration Langzeitarbeitslosen sowie von ausbildungs- und arbeitslosen Jugendlichen praktische Ausgestaltung finden sollen. Eine optimierte Wirtschaftsförderung soll eine zukunftsfähige mittelständige Wirtschaft in Sachsen unterstützen und künftig auch für die sich in Sachsen zunehmend etablierende Kreativwirtschaft wirksam werden.

 

In den nächsten Tagen werden sich die Parteigremien mit dem Koalitionspapier auseinandersetzen, der Vertragsabschluss soll bis 10.11.2014 erfolgen. Wie Stanislaw Tillich betonte, sei die Finanzierung der zusätzlichen Maßnahmen möglich, diese werde nicht zu Lasten anderer Bereiche umgesetzt.

 

Die CORAX-Redaktion wird sich in den nächsten Ausgaben intensiver mit dem Koalitionsvertrag auseinandersetzen und berichten.

 

Den Koalitionsvertrag gibt es hier als Download.

 

Carsten Schöne

Redaktion CORAX – Magazin für Kinder- und Jugendarbeit

Jugend-Online-Befragung in Sachsen

Eine Befragung, die Fragen hinterlässt…

Gegenwärtig führt die Empirica AG im Rahmen der Erstellung des Jugendberichtes eine Onlinebefragung durch, die sich einerseits an junge Menschen und andererseits an Fachkräfte in der Jugendarbeit richtet.

Für eine wissenschaftliche Untersuchung der Lebenslagen junger Menschen sind Befragungen ohne Zweifel ein probates Mittel. Allerdings sollten die Befragungen auch so gestaltet sein, dass die Anonymität der Befragten sichergestellt ist. Diese Anforderung erfüllen beide Fragebögen nicht, da mehrere Antwortoptionen konkrete Hinweise auf Personen, Einrichtungen und Vereine liefern. Insbesondere im ländlichen Raum mit eher geringer Dichte an Jugendfreizeitangeboten dürfte die Abfrage von Wohnort und ggf. genutzter Jugendeinrichtungen eindeutige Hinweise liefern. Dies setzt sich später fort, wenn Jugendliche nach ihrem politischen Interesse und Engagement bzw. nach der Zugehörigkeit zu bestimmten Szenen gefragt werden. Befragungen sollten ferner so gestaltet sein, dass sowohl die Fragestellung wie auch die vorgegebenen Antwortoptionen wertneutral formuliert sind. Dieser Grundsatz wird durch Empirica in den Fragebögen mehrfach verletzt.

Auch hinsichtlich der Auswertbarkeit bzw. der Interpretation erhobener Daten eröffnen sich so manche Fragen. Neben der Tatsache, dass in den Fragebögen auch nicht alle zur Jugendarbeit zugehörigen Arbeitsfelder abgebildet werden, ist das fachliche Niveau der Fragestellungen als mangelhaft zu beurteilen. So erkundigt man sich nach den Gründen, warum ein/e Jugendliche/r keinen Jugendtreff besucht. Eine der Antwortoptionen lautet: “Im Jugendclub / Jugendzentrum gibt es Ansprechpersonen, die mir unsympathisch sind”. Welche Empfehlung will der Landtag in Auswertung des Berichtes an die Jugendhilfe richten, wenn diese Antwortoption mit einer größeren Häufigkeit gewählt wird? Den Fachkräftestandard um das Merkmal “sympathische Ausstrahlung” ergänzen?

Insgesamt lassen die Fragestellungen eine gewisse Verwandtschaft zur im Herbst im Auftrag der sächsischen Staatsregierung durchgeführten Studie „Lebensziele junger Menschen in Sachsen“ erkennen, die nicht wirklich nach den Lebenslagen junger Menschen im Freistaat fragte, sondern eher nach einer Bestätigung der liberal-konservativen Regierungsarbeit suchte. Vergleichbare Fragestellungen finden sich auch in der aktuellen Befragung, so dass der Grundsatz der Wertneutralität einer solchen Befragung als verletzt zu betrachten ist. Dies wird u. a. in einer Fragestellung an die Fachkräfte deutlich, die sich danach erkundigt, wie die Jugendarbeit in Sachsen auch ohne zusätzliches Personal und Geld weiterentwickeln könnte. Dahinter lässt sich durchaus die seit Jahren zu beobachtende „Deprofessionalisierungstendenz“ vermuten, die durch den Einsatz Ehrenamtlicher professionelle Angebote ablösen soll. Im Zusammenhang mit der Abfrage sozialdemografischer Daten und (jugend)politischer Einstellungen der Fachkräfte lassen sich dann konkrete Bezüge zu den Einrichtungen und Trägern im Freistaat herstellen. Die zugesicherte Einhaltung der Datenschutzbedingungen erscheint vor diesem Hintergrund eher als Floskel, denn als vertrauensbildendes Versprechen. Dies wird nicht zuletzt für ablehnende Haltungen zur Mitwirkung an der Befragung führen, was letztlich verhindert, tatsächlich für einen repräsentativen Blick auf die Lage der Jugendhilfe in Sachsen zu sorgen.

Julia Kemper von Empirica erklärte auf Anfrage unserer Redaktion, dass die Staatsregierung für die Fragebögen keinerlei Vorgaben erlassen hatte, die Befragungen allerdings mit dem Sozialministerium und dem Begleitbeirat abgestimmt wurden. Kemper erläuterte ferner, dass die Ergebnisse aus den Befragungen direkt in den Jugendbericht einfließen sollen, der seinerseits „Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung der Jugendhilfe in Sachsen“ liefern soll.

Empirica versucht Jugendliche mit der Verlosung nicht näher beschriebener „Workshops“ für eine Teilnahme zu gewinnen. Hierfür müssen wiederum persönliche Daten eingegeben werden, womit –mit Blick auf die technischen Möglichkeiten eines Online-Fragebogens – weitere Rückschlüsse auf die teilnehmenden Personen möglich wären. Unabhängig davon, dass ein nicht mal ansatzweise erläuterter „Workshop“ Jugendliche nicht unbedingt zur Mitwirkung motiviert,  würde eine kontinuierliche und allerorten gelebte Beteiligungskultur in Sachsen derartige Motivationsgeschenke überflüssig machen.

Die Fragebögen finden sich unter: www.jugendbefragung-sachsen.de bzw. www.jugendbefragung-sachsen.de/mitarbeiter.

Carsten Schöne

Veröffentlicht in CORAX – Magazin für Kinder- und Jugendarbeit in Sachsen  6-2012

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