
Erstmals fand in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses eine „Jugendfragestunde“ statt, die auf einen Beschluss des Gremiums aus dem letzten Jahr zurückgeht. Die Fragestunde soll jungen Menschen die Möglichkeit geben, ihre Fragen direkt an den Jugendhilfeausschuss richten zu können.
So wollten Jugendliche aus dem Projekt „Dresdner Straßenschule“ der Treberhilfe wissen, warum der ÖPNV, öffentliche Toiletten oder das Schul- und Kita-Essen nicht kostenlos angeboten werden, warum es nicht mehr Projekte zum Nachholen von Schulabschlüssen gibt und solche Projekte nicht dauerhaft finanziert seien. Da diese Themen teilweise nicht in die Zuständigkeit der Jugendhilfe fallen, wurde der Oberbürgermeister, der selbst in der Sitzung nicht anwesend war, gebeten, die gewünschten Antworten aus den Zuständigkeitsbereichen der Stadtverwaltung zu organisieren. Kinder aus dem von der Förderung ausgeschlossenen „Moosmutzelhaus“ trugen vor, dass sie ihr „Moosi“ dringend brauchen und eine Fortsetzung der Förderung wünschen. Bereits seit einigen Monaten sind Kinder und deren Eltern zur Rettung der Einrichtung aktiv. Mehrere Ausschussmitglieder bemühten sich um Beantwortung und Erläuterung, auffällig war hierbei das Bemühen um Verständlichkeit in den Aussagen, die in diesem Fachgremium nicht immer in dieser Form gegeben ist. Weitere Fragenstellende wollten beispielsweise wissen, warum die so genannten Annexleistungen, also Beträge für Hygienebedarf und Lebensmittel, in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe so gering seien. Jugendamtsleiterin Sylvia Lemm erläuterte das Zustandekommen in der so genannten Grundsatzkommission dieser Beträge. Carsten Schöne bestätigte als Mitglied dieser Kommission, dass die Annexleistungen noch im ersten Quartal des laufenden Jahrs diskutiert und angepasst werden sollen. Auch die Frage, warum die Interessen junger Menschen im Jugendhilfeausschuss von so vielen Erwachsenen und nicht durch die Jugendlichen selbst vertreten werden, stand im Raum.
Das neue Format der Jugendfragestunde braucht noch etwas Rahmen, damit mit den Fragen der jungen Menschen angemessen und verständlich umgegangen werden kann. Ausschussmitglieder baten um eine Zustellung der Fragen vor der Sitzung, damit sie sich auf die Beantwortung vorbereiten können. Die Fragestunde findet ab sofort quartalsweise statt, die Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt, Anke Lietzmann, ist hierfür die Ansprechpartnerin.
Im Anschluss befasste sich der Jugendhilfeausschuss erneut mit seinem eigenen Antrag an den Stadtrat zur Bereitstellung zusätzlicher Mittel für die Förderung der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit. Der Antrag war aus dem Stadtrat in den Jugendhilfeausschuss zurückverwiesen worden, der Ausschuss stand nun vor der Herausforderung, möglichst eine Priorisierung der einzelnen Angebote vorzunehmen, da nicht mit der vollständigen Bereitstellung der im Antrag genannten Finanzmittel zu rechnen ist. Sollte der Stadtrat zusätzliche Mittel bereitstellen, können dann je nach Umfang der Mittel bislang von der Förderung ausgeschlossene Angebote eine Zuwendung erwarten. Der Ausschuss setzte mit seinem Beschluss nach langer Diskussion und einer Auszeit das „Moosmutzelhaus“ auf den ersten Platz der Prioritätenliste, ihm folgen drei Jugendtreffs, die Sachkosten für die Schulsozialarbeit, Mittel für die Koordinierungsstelle Mädchenarbeit und für Ferienfreizeiten. Mit einer Entscheidung des Stadtrates ist nach derzeitiger Annahme im März oder April zu rechnen.
In der Informations- und Fragerunde unterrichtete Sylvia Lemm über die vollzogene Strukturänderung bei den Eingliederungsleistungen für junge Menschen. Das bislang im Sozialamt verortete Sachgebiet wurde nun in die Zuständigkeit des Jugendamtes übertragen und die Mitarbeitenden in die Allgemeinen Sozialdienste in den Stadtteilen eingeordnet.
Sabine Bibas und Sabine Grohmann vom Amt für Kindertagesbetreuung stellten anschließend das vom Jugendhilfeausschuss gewünschte Positionspapier „Dresdner Horte im Ganztag“ vor. Vor dem Hintergrund, dass der Freistaat Sachsen keine Ausgestaltungskonzepte für den ab Sommer 2026 geltenden Rechtsanspruch auf ganztätige Betreuung vorlegen wird, hatte der Jugendhilfeausschuss auf eine kommunale Positionierung gedrängt. Das Papier sieht enge Zusammenarbeit zwischen Grundschulen und Horten bei der Ausgestaltung ganztägiger Lernprozesse vor. Die Stadt hatte diese Kooperation bereits an drei Standorten getestet und beschrieb einen erfolgreichen Verlauf dieser Projekte. Mit multiprofessionellen Teams soll eine weitere Qualitätsentwicklung erreicht werden, die sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert. In der Debatte wurden Bedenken hinsichtlich einer Ganztagsbeschulung laut, man befürchte, dass die schulischen Bildungsprozesse noch mehr in den Freizeitbereich der Kinder verlagert würden. Das Papier soll nun in den Unterausschüssen diskutiert werden. Das Positionspapier kann hier heruntergeladen werden.
Der Ausschuss beschloss im weiteren Sitzungsverlauf die Planungsberichte für die Schulsozialarbeit und die Familienbildung. Wie Matthias Dietze aus dem Unterausschuss Planung berichtete, ist eine Anpassung des Vergabeverfahrens für neue Standorte der Schulsozialarbeit vorgenommen worden, mit der verhindert werden soll, dass ausschließlich das Ranking der Schulstandorte über deren Ausstattung mit Schulsozialarbeit entscheiden soll. Vielmehr will der Ausschuss als Fachgremium die Möglichkeit haben, auch auf weitere Standorte zu schauen und deren Bedarfe im Kontext der Standortentscheidung zu bewerten. Weiterhin unterstütze der Ausschuss die Förderung eines Kultur- und Nachbarschaftszentrums in Dresden-Striesen. Zwei weitere Planungsberichte für die Stadträume 4 und 5 (Leipziger Vorstadt, Pieschen, Mickten, Kaditz, Trachau) wurden in erster Lesung in den Ausschuss eingebracht und in den Unterausschuss Planung verwiesen.
Die nächste reguläre Sitzung des Jugendhilfeausschusses findet am 05.02.2026 statt.
Hinweis: Die Informationen zu Beschlüssen stehen unter dem Vorbehalt der Erlangung der Rechtskraft der Beschlüsse. Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um eine persönliche Wiedergabe der Ausschusssitzung, die durch meine Mitgliedschaft in diesem Gremium durchaus subjektive Betrachtungen enthalten kann und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Ich bitte um Verständnis. Alle öffentlichen Vorlagen und Anträge finden Sie im Ratsinformationssystem der Stadt Dresden unter www.ratsinfo.dresden.de.
Carsten Schöne