Prof. Dr. Karl Lenz stellte im Jugendhilfeausschuss die zentralen Ergebnisse der 4. Dresdner Kinder- und Jugendstudie vor, die jungen Menschen u. a. ein hohes Maß an Toleranz gegenüber stigmatisierten Personengruppen bescheinigt und die verdeutlicht, dass junge Menschen an einer umweltfreundlichen Gestaltung ihres Wohnumfeldes ein großes Interesse haben.

Die Studie sollte ursprünglich bereits 2020 durchgeführt werden, jedoch behinderte die Corona-Pandemie den Zugang zu den Schulen und somit zu den zu befragenden Personengruppen. Gleichzeitig konnten zusätzliche Fragen zur Situation junger Menschen in der Pandemie in die Befragung aufgenommen werden, die u. a. die schulische und Familiensituation untersucht haben. Auch wenn im Ergebnis die Bereitstellung schulischer Aufgaben im Zuge des so genannten „Distanzunterrichtes“ weitgehend funktioniert hat, gibt es hier offensichtlich einen Entwicklungsbedarf. Rund ein Viertel der Befragten berichtet von belastenden Auswirkungen der Pandemie auf die Familiensituation. Die Freizeitgestaltung junger Menschen ist sehr stark geprägt von unterschiedlichen Mediennutzungsformen, wobei hier die Nutzung mobiler Endgeräte dominiert. Dies geht allerdings auch mit negativen Erfahrungen wie Cybermobbing einher, was Hinweise auf notwendige Präventions- und Interventionsangebote in Jugendarbeit und Schule geben könnte. Fragestellungen zum Wohlbefinden im eigenen Wohnumfeld zeigten vor allem kritische Perspektiven auf ökologische Aspekte, wie fehlende Radwege, Verkehrslärm und mangelhafte Begrünung auf. Der Konsum von Alkohol und Nikotin ist erneut deutlich zurückgegangen, hier ist eine Verdopplung der Abstinenz beim Rauchen zu verzeichnen. Wie Prof. Dr. Lenz ausführte wird der vollständige Forschungsbericht Mitte Juni veröffentlicht, bis dahin verweist er auf einen zusammenfassenden Text und eine Datenpräsentation auf der Website des Institutes für Soziologie der TU Dresden unter https://tu-dresden.de/gsw/phil/iso/mik/forschung/aktuelle-forschungsprojekte/dresdner-kinderstudie.

Auf Anfrage erklärte die kommissarische Jugendamtsleiterin Sylvia Lemm, dass man eine Fortsetzung der Untersuchungen wünscht und eine Neuauflage der Dresdner Kinder- und Jugendstudie in fünf Jahren anstrebe.

In der Informations- und Fragerunde wurde auf die im aktuellen Amtsblatt veröffentlichten Interessenbekundungsverfahren zum Ausbau der Schulsozialarbeit hingewiesen. Über die Etablierung von neuen Angeboten an vier Dresdner Schulen sowie an weiteren Schulen, die junge Menschen aus der Ukraine aufgenommen haben, soll in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 30.06.2022 entschieden werden, entsprechende Beschlussanträge wurden von Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses eingereicht. Die Ausschreibung finden Sie hier. Lukas Ehser bat um Informationen zum Stand der Erteilung von Zuwendungsbescheiden, da eine Beantwortung in der Sitzung nicht möglich war, wird dies schriftlich an die Ausschussmitglieder erfolgen.

Die Leiterin des Amtes für Kindertagesbetreuung, Sabine Bibas, brachte in erster Lesung eine Vorlage zur Förderung von Bau- und Werterhaltungsmaßnahmen ein, über die Vergabe der Fördermittel im Umfang von etwa 1,8 Millionen Euro soll der Jugendhilfeausschuss ebenfalls am 30.06.2022 entscheiden. Ein weiterer Tagesordnungspunkt zu einem „Modellprojekt zur legalen Abgabe von Cannabis“ wurde wegen ausstehender Beratung im Unterausschuss Planung vertagt.

Anett Dahl berichtete von der Beratung des Unterausschusses Förderung, der sich mit der Verwendung des Fonds „Weiterentwicklung der Jugendhilfe“ befasst hat. Entsprechend den im Förderbeschluss gesetzten Prioritäten sollen aus den zur Verfügung stehenden Mitteln mit einem Volumen von ca. 300.000 Euro weitere Angebote der Schulsozialarbeit, Maßnahmen der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit sowie ein Angebot der Familienbildung im Stadtraum 13 ermöglicht werden. So sind durch veränderte Förderbedingungen beim Europäischen Sozialfonds (ESF) höhere kommunale Eigenmittel für die arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit erforderlich, der Eigenanteil stieg von bislang 10 auf nunmehr 20 Prozent.

Die nächste reguläre Sitzung des Jugendhilfeausschusses findet am 30.06.2022 statt.

Hinweis: Die Informationen zu Beschlüssen stehen unter dem Vorbehalt der Erlangung der Rechtskraft der Beschlüsse. Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um eine persönliche Wiedergabe der Ausschusssitzung, die durch meine Mitgliedschaft in diesem Gremium durchaus subjektive Betrachtungen enthalten kann und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Ich bitte um Verständnis.

Redaktion: Carsten Schöne


Die Tagesordnung im Überblick:

Informationen/Fragestunde
Vergabe Zuschüsse für bewegliche Sachen des Anlagevermögens und für bauliche Maßnahmen im Jahr 2022 an Träger der freien Jugendhilfe von Kindertageseinrichtungen (1. Förderrunde, V1494/22, 1. Lesung)
Modellprojekt zur legalen Abgabe von Cannabis (A0234/21 – vertagt)
Berichte aus den Unterausschüssen
Informationen (nicht öffentlich)